
Wann spricht man von einer Krise?
Das Wort Krise stammt aus dem Altgriechischen krísis und dem Lateinischen crisis
und bezeichnet einen Höhepunkt oder Wendepunkt in einer gefährlichen oder belastenden Entwicklung.
Genau so erleben viele Menschen Krisen in ihrem Leben:
Situationen spitzen sich zu, und plötzlich wissen wir selbst nicht mehr, wie wir da wieder herauskommen sollen.
In der Psychologie spricht man vom Verlust des seelischen Gleichgewichts.
Ein Mensch wird mit Ereignissen oder Lebensumständen konfrontiert, die er im Moment nicht oder kaum bewältigen kann,
weil seine bisherigen Bewältigungsstrategien nicht mehr greifen.
Was kann eine Krise auslösen?
Krisen entstehen häufig durch unvorhergesehene Ereignisse, wie zum Beispiel:
✔️ plötzlicher Jobverlust
✔️ Unfall oder Krankheit
✔️ Tod eines geliebten Menschen
✔️ Naturkatastrophen
✔️ Aber auch durch Lebensveränderungen, wie:
✔️ Trennung oder Scheidung
✔️ Auszug der Kinder
✔️ massive berufliche oder private Umbrüche
All diese Situationen können zu einer akuten Stressreaktion führen,
in der sich das Gefühl einstellt, den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Wichtig zu wissen: Krise ist kein Dauerzustand
Eine Krise ist kein permanenter Zustand, sondern ein Ausnahmezustand.
Sie wird von jedem Menschen individuell und unterschiedlich erlebt.
So belastend sie auch ist – eine Krise kann zugleich eine Chance für Veränderung sein,
zu der wir unter normalen Umständen vielleicht nie bereit gewesen wären.
Am Beginn steht fast immer der Kampf gegen den Kontrollverlust.
In der Forschung spricht man hier auch von Sinnstiftung:
Was ist der Sinn hinter diesem Ereignis?
Bereits Viktor Frankl, der mehrere Konzentrationslager überlebt hat, sagte:
„Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie.“
Das bedeutet nicht, dass Leid „gut“ ist – sondern dass Sinnfindung helfen kann, Erlebtes zu integrieren und loszulassen.
Die Phasen einer Krise
1. Schock – „Nicht-wahrhaben-wollen“
Schock, Leere oder Chaos können lähmen.
Manche Menschen zweifeln in dieser Phase sogar die Realität an.
Sie kann Stunden, Tage oder länger dauern – das ist sehr individuell.
2. Reaktion
Jetzt dringt die Realität langsam ins Bewusstsein.
Gefühle wie Angst, Hilflosigkeit, Überforderung, Kontrollverlust
oder sogar Panikattacken können auftreten.
Auch Abwehrmechanismen sind möglich – etwa Verdrängung –,
wenn das System noch nicht bereit ist, die Situation vollständig anzunehmen.
3. Bearbeitung – Strategie
In dieser Phase beginnt die aktive Auseinandersetzung.
Strategien und Auswege werden gesucht.
Dazu gehört auch:
✔️ den Verlust
✔️ den Schmerz
✔️ oder den aktuellen Umstand anzuerkennen
Erst dadurch wird es möglich, Lösungen zu entwickeln
und belastende Gedanken und Emotionen zuzulassen und schrittweise loszulassen.
4. Neuorientierung
Dies ist die Abschlussphase der Krisenbewältigung.
Hier geht es darum, sich neu auszurichten.
Nicht selten wird in dieser Phase rückblickend
ein Sinn in der Erfahrung erkannt –
oder zumindest eine neue innere Haltung dazu entwickelt.
Ein wichtiger Hinweis
Krisen verlaufen nicht linear.
Die Phasen können sich überlappen, parallel auftreten
oder sich sogar wiederholen.
Das ist normal – und kein Zeichen von Rückschritt.
Du musst da nicht alleine durch
In einer Krise Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung dir selbst gegenüber.
Du darfst verstehen: Du musst da nicht alleine durch.
Nicht ohne Grund gibt es Menschen, die professionell ausgebildet sind,
um dich sicher, stabil und respektvoll
durch eine Krise zu begleiten.
